UNDRU unter Druck der schwere August die wollene Molly die herzliche Viererbande die fliegende Amath die mutige Mieze der lichte Ariel

Entspannte Katzen erzählen

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von René Isenschmid

Der lichte Ariel (Kopf-Übung)

Katzen, die ihr Dasein ungewollt als Schmusetiere und lebende Fusswärmer in engen Wohnungen fristen, fallen oft mit ihren selbst ernannten Besitzern in den Abgrund menschlicher Schwächen: sie plagen sich durchs Leben. Sie lecken, und sind sie noch so durstig, die Milch fein säuberlich dem Rand entlang aus der Schüssel, um sich ja nicht die Schnauze oder den Bart zu nässen. Der Anstand gilt mehr als der Durst. Liebesobjekt alter Frauen sein, Wohlgefallen wahren und katersche Wolllust verleugnen, nein, dieses Leben ist nicht sein Leben. Das weiss Ariel, dieser bis in die Schnurrbartspitzen schlaue Kater, seitdem er August und seiner Bande begegnet ist.
Die Rotte amüsiert sich in dieser Nacht köstlich. Ariel, einer nuanciert-tiefschürfenden Ausdrucksweise mächtig, gibt Erfahrungen mit der Tierpsychologin Ding-Dong preis, zu denen er von der Besitzerin seines Fressnapfes genötigt wurde. (Selbst der schlimmste Stubentiger gehört niemandem, er ist höchstens dazu bereit, sich füttern zu lassen.) »Freunde« hebt der etwas füllig gewordene Kater an, »Freunde, stellt euch dieses vor: dieser kurzhaarige Blaustrumpf will mir unterjubeln, Fettleibigkeit stehe einem Katzentier, das den stolzen Namen des Lichtgottes trägt, schlecht in die Schnauze und überhaupt, viel fressen mache unglücklich!« Der Hinterhof dröhnt, tausendfach echot es von den Mauern wider die dünnen Hetzer und lustfeindlichen Wichtigtuer. »Und was steckt hinter dieser Behauptung der von der Liebe Enttäuschten?« Ariels Stimme wirkt sehr kompetent. »Wir wissen es alle, Menschen sind wie Katzen: die hungrigen sind viel artiger als die satten!«
Ariel macht sich zufrieden auf den Heimweg. Bei seinen Gedanken an die Ereignisse im Hinterhof überkatert ihn selbstverliebt eine wohlige Genugtuung, er ist stolz auf seine intellektuelle Begabung und rhetorische Brillanz. Sein Gang, an den Filmhelden »Lion King« mahnend, führt den Kater über das Brückengeländer dem Steinbruch zu. Da nimmt er es zum ersten Mal wahr: der helle Mondschein projiziert seinen eleganten Körper in gigantischer Grösse an die steile, kahle Felswand. Zuerst etwas beklommen, dann aber freudig miauend betrachtet er sein lichtgezeichnetes Abbild. Regungslos dastehend gebiert Ariels Kopf die schlaue Idee, wie auch er dem Riesen Undru helfen kann.
Wieder eine wunderschöne Mondschein-Nacht. Undru lässt sich herzhaft verwöhnen. Seine Füsse baumeln im Flussbett, angenehm kühl umströmt, sein Kopf lehnt friedlich an den Berg. Ariel führt seine Pfote sanft über die Stirne des Riesen, die Spitzen seiner Ohrmuscheln berühren unmerklich die Schläfen und der Schwanz zeichnet liebevoll die markanten Linien seiner Veraguth'schen Falten nach. Undru schaut vergnügt zu, wie die kleine Katze im Tal mit dem Licht des Mondes spielt und seinem Kopf in den Bergen Gelöstheit und Entspannung verschafft. So leicht und frei hat sich der Kopf des Riesen noch nie gefühlt.
Irgendwann ergibt sich das Mondlicht langsam der aufkommenden Dämmerung und die gigantischen Streichelbewegungen fallen stufenlos auf Ariel zurück. Dieser entschwindet mit leichten Gedanken seinem Fressnapf entgegen. Es kann kein Zufall sein: Kater reimt sich vorzüglich auf Berater, aber auf Mensch reimt sich nichts Heilbringendes. Ist der Mensch nichts weiter als ein ungereimtes Tier?
Ja, der lichte Ariel bewirkt nicht nur viel Aufsehen, sondern auch grosse Wirkung.

 

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