UNDRU unter Druck der schwere August die wollene Molly die herzliche Viererbande die fliegende Amath die mutige Mieze der lichte Ariel

Entspannte Katzen erzählen

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von René Isenschmid

Die  mutige Mieze (Leib-Übung)

Der Morgen ist nicht wie jeder andere: nach einem selbst für Katzen Furcht erregenden Gewitter ist die Lust auf den Inhalt des Fresstopfes gross genug, um den Heimweg unter die müden Pfoten zu nehmen. Dieser Gang weckt oft wehmütige, tief zurückliegende Erinnerungen: der im Morgengrauen erhaschte Spatz oder die erlauerte Taube haben mehr als den Hunger gestillt. Auch Katzen sind zu Philistern geworden. Sie räkeln sich auf dem gemütlichen Ofen, der für Sicherheit bürgt, und meiden das freie Dach, das sicheres Gleichgewicht und somnambule Gelassenheit verlangt.
Mieze kennt weder Heizkörper noch andere technische Errungenschaften, die das kätzische Dasein an die Grenze dessen bringen, das die Menschen als vegetieren geisseln. Auch die kleine Mieze, namen- und obdachlos, verlässt den Hinterhof und beschnuppert den erwachenden Tag. Federnden Ganges stolziert sie durch die Gassen, einer spielerischen Balgerei harrend, angereichert mit Vogelschlag und Mäusesprung. Sie steuert gutgelaunt dem Friedhof zu und ... ihr stockt der Atem, der Schwanz rollt sich blitzschnell unter den Bauch und unsichtbare Pfoten reissen die unerfahrene kleine Katze zurück in den Hinterhof. Sie platzt in die Aufbruchstimmung: »...doch, glaubt mir, ich habe es gesehen. Ein Lichtmonster mit einem farbig schillernden Schweif, der sich über die ganze Stadt legt, der weder einen Anfang kennt noch ein Ende.« Mieze schöpft ausgiebig Luft: »Farbbahnen, einander überlappend, jede einzelne unermesslich breit, viel breiter als der Wasserfluss unterhalb der Kirche, also so riesig ...« Die älteren Artgenossen hören zu, ihre Gedanken pendeln zwischen Angst und Neugier, die Stimmung schwingt von der Verwunderung zur Ungeduld. August unterbricht mit seinem schneidenden Miau das Rätselraten über mögliche Ungeheuer, die sich ausstreckend des Himmels bemächtigen und kleine Katzen ängstigen: »Wir gehen hin und überzeugen uns mit eigener Schnauze. Mieze, du gehst vorneweg!« Die Streunerin erschrickt: »Nie, nie wieder gehe ich zum Friedhof, nie wieder.« Die Hinterhof-Bande kramt dasjenige Geschick an den Tag, das die Zweibeiner das pädagogische nennen. Sie überzeugen die Mieze mit grosser Redekunst, sich dem Katzenzuge auf dem Weg zum »Monster« anzuschliessen.
Mieze ist froh, dass Katzengesichter keine Schamröte kennen. Das dröhnende Gelächter ihrer Kameraden begleitet sie in ihren lottrigen Unterstand. Namenlose Katzen sind Überlebenskünstler und Mieze ist entschlossen, die Geheimnisse des Lebens zu erkunden. »Den Wissenschaften, den Heilmethoden nachstellen statt den Mäusen, das will ich«, bekräftigt sie mit einem gedehnten Gähnen, »ab morgen umpfote ich die guten Geister und lieben Menschen zärtlich und zeige den bösen fauchend mein spitzes Gebiss.« Zufrieden schleicht der kleine Freund grosser Pläne in Morpheus' Arme und ...
»... hörst du mich, kleine Mietze? Ich erfülle dir deinen sehnlichsten Wunsch. Du wirst dem Riesen Undru helfen, seine Gesundheit wieder zu finden. Ich führe dich zum Regenbogen, er wird dich liebevoll auf seine kristallenen Flügel nehmen und sich auf deine Bitte hin dem Hünen hauchdünn über den Bauch legen. Jede Farbe umfliesst ein Organ deines Freundes mit strömender Wärme, die energievollen Kristalle durchfluten seinen Oberbauch und bringen ihm Wohlsein und Entspannung. Undru wird sich lächelnd zurücklehnen und brummen: ›Danke, kleine Mieze!‹«
Auch dieser Morgen ist nicht wie jeder andere. Die Bassstimme des Riesen lässt die Erde beben. Die Katzen der Hinterhof-Bande klemmen ihre Ohrmuscheln erschreckt an den Kopf. Der Tag ist erfüllt mit »Danke, kleine Mieze.«

 

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