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Die fliegende Amath
(Atem-Übung)
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»Wie kommt es«, redet
Amath wieder mal mit sich selbst, indem sie sinnig die Pfote an die Stirne legt, »wie
kommt es, dass kleine Geschichtenerzähler und angehende Seminarleiter für Autogenes
Training, sonst geistreich, lebensweise und liebeserfahren, mir die Fähigkeit des
Fliegens absprechen?« Amaths Entrüstung ist geheuchelt, sie aalt sich wohlig schnurrend
auf dem untersten Ast ihres derzeitigen Lieblingsbaumes. Auch heute ist sie
gleichgültigen Sinnes durch die Dämmerung geflogen, freudig eingetaucht in die
Lebenslust des zum Himmel strebenden Holzes, bar jeder Befangenheit unsicherer
Katzenseelen. Amath lebt, wie der Baum atmet. |
| August und seine
Bande zweifeln. Fliegende Katzen? Nein, »unsere Pfoten sind samten, um lautlos und
behände den nächtlichen Lüsten und satten Mäusen nachzuspüren, unsere abgefächerten
Schnurrhaare dienen dem Erspähen der ...« Ist Kleinmut den menschlichen Herzen
vorbehalten? Gekeife ist nicht Amaths Sache. Die Pupillen ihrer nussbraunen Augen zum
Nadelöhr verengt, peilt sie gutgelaunt die versammelten Artgenossen an: »Schafft ihr es,
meinen Baum mit den Augen eurer Seelen zu sehen? Schleicht auf ihn zu, umpfotet ihn, hakt
eure Krallen liebevoll in seinem spröden Kleide fest! Ihr spürt, wie ihr langsam zum
Baum werdet, seine Wärme verwandelt euren Körper zum Stamm, seine Jahrzehnte alte
Gelassenheit steigt in euren spitzen Schädel und derselbe wird zur aufstrebenden Krone.
Aus dem in die Erde gesteckten Schwanz wachsen starke Wurzeln, sie graben sich immer
tiefer hinein zum Urquell des Lebens. Die daraus aufsteigende Kraft treibt über den Stamm
und die Äste ins Blattwerk des Baumes vor, zu dem ihr geworden seid.« Amath lässt ihre
gedehnt geschnurrten Worte an den brüchigen Mauern des Hinterhofes widerhallen, sie hört
sich gerne selbst. »Jetzt spürt ihr die Energie des Daseins, den Kraftaustausch mit der
Umwelt, ihr nehmt den Atem des Gehölzes wahr, wie er im Gleichklang mit dem euren das
Leben gestaltet. Ihr nehmt auf und gebt ab, ihr werdet geatmet, es atmet euch, es atmet
euch...« |
| Endlose Stille,
beinahe unerträgliche Leichtigkeit füllen den Hinterhof. Jenseits der Zeit führt Amath
die tief entspannte Bande zurück in die Wirklichkeit. Die Katzen strecken Beine und
Schwanz, buckeln ihre Rücken und führen ihre Pfoten fahrig über die Augen. Irgendwie
ist alles anders. Seit dieser Nacht wissen unsere Freunde, dass die Bäume atmen und Amath
fliegt. Seit dieser Nacht ist der Atem des Riesen Undru gleichmässig mit seinem
Organismus. Undru spürt die Kraft des Gebens und Nehmens... und lässt sich ruhig atmen.
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