UNDRU unter Druck der schwere August die wollene Molly die herzliche Viererbande die fliegende Amath die mutige Mieze der lichte Ariel

Entspannte Katzen erzählen

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von René Isenschmid

Die fliegende Amath (Atem-Übung)

 »Wie kommt es«, redet Amath wieder mal mit sich selbst, indem sie sinnig die Pfote an die Stirne legt, »wie kommt es, dass kleine Geschichtenerzähler und angehende Seminarleiter für Autogenes Training, sonst geistreich, lebensweise und liebeserfahren, mir die Fähigkeit des Fliegens absprechen?« Amaths Entrüstung ist geheuchelt, sie aalt sich wohlig schnurrend auf dem untersten Ast ihres derzeitigen Lieblingsbaumes. Auch heute ist sie gleichgültigen Sinnes durch die Dämmerung geflogen, freudig eingetaucht in die Lebenslust des zum Himmel strebenden Holzes, bar jeder Befangenheit unsicherer Katzenseelen. Amath lebt, wie der Baum atmet.
August und seine Bande zweifeln. Fliegende Katzen? Nein, »unsere Pfoten sind samten, um lautlos und behände den nächtlichen Lüsten und satten Mäusen nachzuspüren, unsere abgefächerten Schnurrhaare dienen dem Erspähen der ...« Ist Kleinmut den menschlichen Herzen vorbehalten? Gekeife ist nicht Amaths Sache. Die Pupillen ihrer nussbraunen Augen zum Nadelöhr verengt, peilt sie gutgelaunt die versammelten Artgenossen an: »Schafft ihr es, meinen Baum mit den Augen eurer Seelen zu sehen? Schleicht auf ihn zu, umpfotet ihn, hakt eure Krallen liebevoll in seinem spröden Kleide fest! Ihr spürt, wie ihr langsam zum Baum werdet, seine Wärme verwandelt euren Körper zum Stamm, seine Jahrzehnte alte Gelassenheit steigt in euren spitzen Schädel und derselbe wird zur aufstrebenden Krone. Aus dem in die Erde gesteckten Schwanz wachsen starke Wurzeln, sie graben sich immer tiefer hinein zum Urquell des Lebens. Die daraus aufsteigende Kraft treibt über den Stamm und die Äste ins Blattwerk des Baumes vor, zu dem ihr geworden seid.« Amath lässt ihre gedehnt geschnurrten Worte an den brüchigen Mauern des Hinterhofes widerhallen, sie hört sich gerne selbst. »Jetzt spürt ihr die Energie des Daseins, den Kraftaustausch mit der Umwelt, ihr nehmt den Atem des Gehölzes wahr, wie er im Gleichklang mit dem euren das Leben gestaltet. Ihr nehmt auf und gebt ab, ihr werdet geatmet, es atmet euch, es atmet euch...«
Endlose Stille, beinahe unerträgliche Leichtigkeit füllen den Hinterhof. Jenseits der Zeit führt Amath die tief entspannte Bande zurück in die Wirklichkeit. Die Katzen strecken Beine und Schwanz, buckeln ihre Rücken und führen ihre Pfoten fahrig über die Augen. Irgendwie ist alles anders. Seit dieser Nacht wissen unsere Freunde, dass die Bäume atmen und Amath fliegt. Seit dieser Nacht ist der Atem des Riesen Undru gleichmässig mit seinem Organismus. Undru spürt die Kraft des Gebens und Nehmens... und lässt sich ruhig atmen.

 

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