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Der schwere August
(Schwere-Übung)
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August ist kein leichtfüssiger Kater und die
Überzeugung, seine Pfoten seien samten, musste er schon vor langer Zeit aufgeben. Am oft
bösartigen Spott, den seine Artgenossen ob seiner Leibesfülle über ihn ausschütten,
trägt er selten schwer. Seine Lebenslust steckt an und er gehört zu den Katzen, die sich
ihre Schlafsocken mit Schwänzen der Mäuse schnüren, die sie tagsüber genüsslich
verspeist haben. Das Jagen ist nicht sein Geschäft, jede vierte Maus, die durch die Rotte
zur Strecke gebracht wird, gehört ihm. Eigentlich ist August ein gutmütiger König,
seine abgeknickten Ohren gehören den Aufgeregten und Ängstlichen, seine einfühlsame,
tief monotone Stimme richtet sich an die Ruhe- und Schlaflosen dieser hektischen Zeit. |
| Die Quartierkatzen geniessen es, dem dicken
August im Hinterhof zu begegnen und in seinen tiefblauen Augen all die gruseligen
Geschichten zu lesen, die ihm die mondhellen Nächte verkürzen. Der Schalk in seinem
Blick spiegelt die ketzerische Freude wider, wenn August seinen Bart zur Mondsichel formt
und gedankenverloren schnurrt: »Ich erzähle euch mein Erlebnis mit der Lina.« Die
Katzenbande wird mäuschenstill. Alle kennen diese Geschichte und alle wissen um das tiefe
Glücksgefühl, das sie vermittelt: auch in dieser Nacht ist die katersche Schläue der
menschlichen Vernunft gewachsen. |
| »Lina mit ihrem magersüchtigen Gesicht war
vor vielen Jahren für mich das, was die Menschen anmassend Katzenmutter nennen. Sie hatte
die Angewohnheit, riesige, zylinderförmige Hüte zu tragen, um ihrer kleinen Gestalt
Grösse zu geben. Es waren Gebilde aus Filz, ausstaffiert mit farbigen Stroh- und
Stoffblumen, eingebunden in seidene Schleifen, kurz: menschliche Geschmacklosigkeiten.
Sonntags ärgerte die Lina mit ihrer Kopfbedeckung die Menschen in der Kirche, werktags
ärgerte sie mich. Sie legte ihre Mach-mich-grösser-Töpfe auf den Schrank, den ich mir
für meine Beobachtungs- und Schlafbedürfnisse reserviert hatte.« Die Katzenbande
vermochte nicht mehr still zu sein: »Runterschubsen, runterschubsen« riefen sie mit
peitschenden Schwänzen und angelegten Ohren, »Die Strohblumen fressen«, riefen andere
ungehalten ob der menschlichen Bösartigkeit. Augusts Blick in die Runde liess alle
verstummen: »Die Neugier ist unsere Existenz und mir eine besondere Vorliebe. Ich habe
mich kurz entschlossen auf den nächstliegenden Hut gesetzt. Das einmalige Erlebnis kann
ich euch kaum vermitteln: dieses Eintauchen meines Körpers in die wohlige Tiefe, dieses
endlose Fallen in die Schwere, dieses Glücksgefühl... « Es wurde für die Katzen eine
wunderbare Nacht, der Mond liess eine grosse Wolke vor sein Gesicht schleichen, um diese
herrliche Stimmung nicht zu stören. |
| August zählt es zu seinen feinsten
Genüssen, nach ergiebigem Schlemmen sich auf den weiten Gliedmassen seines grossen
Freundes Undru zu räkeln und zu rollen. Er purzelt sein ganzes Katergewicht über die
Arme und Beine des Riesen, seine Runden werden immer langsamer und sein Körper
verschmilzt mit dem seines Freundes. Undru spürt die Schwere seines kleinen Begleiters in
sich übergehen, er spürt die Entspannung, er fühlt sich wohl. |
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