UNDRU unter Druck der schwere August die wollene Molly die herzliche Viererbande die fliegende Amath die mutige Mieze der lichte Ariel

Entspannte Katzen erzählen

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von René Isenschmid

Der schwere August (Schwere-Übung)

der schwere August August ist kein leichtfüssiger Kater und die Überzeugung, seine Pfoten seien samten, musste er schon vor langer Zeit aufgeben. Am oft bösartigen Spott, den seine Artgenossen ob seiner Leibesfülle über ihn ausschütten, trägt er selten schwer. Seine Lebenslust steckt an und er gehört zu den Katzen, die sich ihre Schlafsocken mit Schwänzen der Mäuse schnüren, die sie tagsüber genüsslich verspeist haben. Das Jagen ist nicht sein Geschäft, jede vierte Maus, die durch die Rotte zur Strecke gebracht wird, gehört ihm. Eigentlich ist August ein gutmütiger König, seine abgeknickten Ohren gehören den Aufgeregten und Ängstlichen, seine einfühlsame, tief monotone Stimme richtet sich an die Ruhe- und Schlaflosen dieser hektischen Zeit.
Die Quartierkatzen geniessen es, dem dicken August im Hinterhof zu begegnen und in seinen tiefblauen Augen all die gruseligen Geschichten zu lesen, die ihm die mondhellen Nächte verkürzen. Der Schalk in seinem Blick spiegelt die ketzerische Freude wider, wenn August seinen Bart zur Mondsichel formt und gedankenverloren schnurrt: »Ich erzähle euch mein Erlebnis mit der Lina.« Die Katzenbande wird mäuschenstill. Alle kennen diese Geschichte und alle wissen um das tiefe Glücksgefühl, das sie vermittelt: auch in dieser Nacht ist die katersche Schläue der menschlichen Vernunft gewachsen.
»Lina mit ihrem magersüchtigen Gesicht war vor vielen Jahren für mich das, was die Menschen anmassend Katzenmutter nennen. Sie hatte die Angewohnheit, riesige, zylinderförmige Hüte zu tragen, um ihrer kleinen Gestalt Grösse zu geben. Es waren Gebilde aus Filz, ausstaffiert mit farbigen Stroh- und Stoffblumen, eingebunden in seidene Schleifen, kurz: menschliche Geschmacklosigkeiten. Sonntags ärgerte die Lina mit ihrer Kopfbedeckung die Menschen in der Kirche, werktags ärgerte sie mich. Sie legte ihre Mach-mich-grösser-Töpfe auf den Schrank, den ich mir für meine Beobachtungs- und Schlafbedürfnisse reserviert hatte.« Die Katzenbande vermochte nicht mehr still zu sein: »Runterschubsen, runterschubsen« riefen sie mit peitschenden Schwänzen und angelegten Ohren, »Die Strohblumen fressen«, riefen andere ungehalten ob der menschlichen Bösartigkeit. Augusts Blick in die Runde liess alle verstummen: »Die Neugier ist unsere Existenz und mir eine besondere Vorliebe. Ich habe mich kurz entschlossen auf den nächstliegenden Hut gesetzt. Das einmalige Erlebnis kann ich euch kaum vermitteln: dieses Eintauchen meines Körpers in die wohlige Tiefe, dieses endlose Fallen in die Schwere, dieses Glücksgefühl... « Es wurde für die Katzen eine wunderbare Nacht, der Mond liess eine grosse Wolke vor sein Gesicht schleichen, um diese herrliche Stimmung nicht zu stören.
August zählt es zu seinen feinsten Genüssen, nach ergiebigem Schlemmen sich auf den weiten Gliedmassen seines grossen Freundes Undru zu räkeln und zu rollen. Er purzelt sein ganzes Katergewicht über die Arme und Beine des Riesen, seine Runden werden immer langsamer und sein Körper verschmilzt mit dem seines Freundes. Undru spürt die Schwere seines kleinen Begleiters in sich übergehen, er spürt die Entspannung, er fühlt sich wohl.

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