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Sinn der
Formel
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vorgegebenen Formeln sind prägnant und knapp, der Kopf speichert
sie mühelos. Der Formelinhalt wird lebhaft vorgestellt. Der «Arm»
oder die «Schwere» sind keine Gedanken, sondern Vorstellungen,
Bilder. Diese Vergegenwärtigung unterstützt wirkungsvoll die
sprachliche Formulierung. Die Formel hat Signalwirkung. Der Anfänger
findet sich im Trainingsablauf schneller zurecht, wenn er die
Vorgaben wörtlich übernimmt und sie in den Übungen gleichlautend
beibehält. Mit der Wiederholung ist immer eine Rhythmisierung
verbunden. Der Wortlaut der Formel lässt sich mit dem biologischen
Gleichmass des Atems koppeln: in das aktive Einatmen legen Sie den
Formelteil «Ich bin ...», in das eher passive Ausatmen
konzentrieren Sie «... ganz ruhig.». So wie sich die
Atemzüge wiederholen, wiederholen sich die Vorstellungen. Der
Formelrhythmus ist ein sehr wirksames Mittel, um über eine
Monotonisierung in die Entspannung und in den Versenkungsvorgang zu
finden. Die zunehmende Übungserfahrung und -sicherheit verstärken
zu jeder Formel die Bildinhalte, die bruchlos der Persönlichkeit
des Trainierenden entsprechen. Der Frühlingswald, dem
Bankangestellten ein Ort der Ruhe und Geborgenheit, ist für den
Förster ein profaner Arbeitsort, laut und fordernd. Menschen mit
ausgeprägter eidetischer Begabung haben die Möglichkeit zur
Verfügung, die Worte selbst zum Vorstellungsinhalt zu machen. Sie
sehen RUHE in metergrossen Lettern, gemeisselt in eine Felswand;
WÄRME liegt in einem riesigen, sonnenüberfluteten Kornfeld,
geschnitten in Buchstaben, die nur aus grosser Höhe als solche zu
erkennen sind. Die Individualisierung verkürzt die Formeln, der
Körper reagiert schlussendlich auf die Schlüsselwörter Ruhe -
Schwere - Wärme. Diese formelfreie passive Akzeptation ist das
Ziel. Jeder Übende findet seine Form des Trainings, ohne deshalb
das Grundprinzip der Methode zu verlieren. Die Beharrlichkeit und
die Konzentrationsfähigkeit bestimmen den individuellen Weg.
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Gebrauch der Formel
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| Zu diesem Weg gehören auch Fragen nach dem
Umgang mit den Formeln. Das Mitsprechen der Worte spannt die
Stimmbänder und die Muskeln des Mundes, der Klang wird zum
äusseren Reiz, der den Übungseffekt stark beeinträchtigt.
Gleichzeitig ist die Zungen-Lippen-Formulierung auch eine
Konkretisierung des Gedankens oder der Vorstellung. Jedes
gesprochene Wort verlangt ein vorangegangenes präzises Denken, eine
«Somatisierung». Diese körperlichen und geistigen Aktivitäten
stehen dem Ziel der Entspannung entgegen. Das Training erfordert ein
völliges Stillschweigen des Übenden. Prof. Schultz vertrat
hartnäckig die Meinung, dass «jedes Sprechen beim Üben eine
Aufhebung des autogenen Prinzips» ist. Der Handel offeriert eine
grosse Auswahl an Tonträgern, die mit einer Schonstimme die Formeln
der Grundstufe wiedergeben. Der Einsteiger verspricht sich davon
eine Unterstützung, die ihn schnell und wirkungsvoll die Formel
konzentrieren lässt. Das ist anfangs auch zutreffend. Der weitere
Übungsverlauf aber wird schwieriger, weil die Stimme ab Band die
erzielten Fortschritte des Trainierenden ignoriert und keine
Individualisierung zulässt. Die angepeilte Verkürzung der Formeln
und das formelfreie Annehmen des Signalreizes werden durch dieses
fremdsuggestive Element, das bald als Geleier empfindlich stört,
massiv erschwert, letztendlich verunmöglicht. Hier ist der
kostenlose der bessere Weg.
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Ruheformel
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Die Ruhe-Tönung ist keine
Übung, sie ist auch kein selbständiger Teil der Methode. Sie
übernimmt im Autogenen Training zwei Aufgaben, die sie in der
Verknüpfung mit den Übungsteilen zum wohl wirkungsvollsten Vorsatz
machen. Die einleitende Formel signalisiert den Körperfunktionen
die gewünschte Umstellung, die unterwegs richtungsweisend
eingeschobene Formel verstärkt die Wirkung der Schwere- /
Wärmevorstellung und vertieft dadurch die Entspannung. Die
abschliessende Formel festigt die erreichte Tiefe, die in die
Generalisierung übergeht.
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Rücknahme
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Die Übungsformeln sind in
Behauptungssätze mit Suggestivcharakter gefasst. Einzig die
Rücknahme steht als deutliche Aufforderung im Imperativ, der die
Notwendigkeit eines energischen, zackigen Abbruchs verlangt. Das
gilt auch dann, wenn die Einzelübung unterbrochen wird. Beim
Auftreten von Komplikationen oder unklaren Begleiterscheinungen ist
das Training sofort zu beenden.
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Richtig üben: Wo?
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Das Autogene Training kann überall geübt werden. Es hilft dem
Einsteiger, wenn er sich einen möglichst störungs- und lärmfreien
Ablauf organisiert. Dazu gehören ein klärendes Gespräch mit den
übrigen Familienmitgliedern genauso wie der Schutz vor piepsenden
Handys und der Hausglocke. Nutzen Sie Ihren Lieblingsplatz,
gestalten Sie ihn um zum Übungsplatz. Sie finden hier rasch zur
Ruhe.
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Wann?
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Autogenes Training unter Zeitdruck ist sinnlos. Jeder Mensch ortet
in seinem Tagesablauf natürliche Einschnitte, die er für das
regelmässige Training nützen kann. Sie finden schnell die
günstigste Tageszeit heraus. Beispielsweise hilft dem
Frühaufsteher die morgendliche Übung, seine Aktivität zu nutzen
und die Kräfte zu sammeln, dem Morgenmuffel aber kann sie die
schlaftrunkene Zeit nach dem Aufwachen verstärken.
Wissenschaftliche Untersuchen belegen, dass für den Anfänger das
Üben nach dem Mittagessen und vor dem Schlafengehen am
erfolgreichsten ist. Eine sorgfältige Planung kann alle beruflichen
und familiären Erfordernisse berücksichtigen, ohne die
Entspannungswirkung zu mindern.
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Wie oft?
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Im Begriff «Training» ist die Regelmässigkeit enthalten. Der
Rhythmus ist für den Erfolg ausschlaggebend, wobei es belanglos
ist, ob Sie die eine oder andere Übung schon nach wenigen Tagen
oder erst nach Wochen wirkungsvoll erleben. Machen Sie die Geduld zu
Ihrem verlässlichen Freund und das Autogene Training zu einem fest
integrierten Teil des Tagesablaufs! Zweimal regelmässig Üben ist
dem dreimaligen unregelmässigen vorzuziehen. Aber täglich sollte
es schon sein!
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Wie lange?
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Zwei bis vier Minuten je Einzelübung schaffen ein gutes
Gleichgewicht zwischen konzentrierter Spannung und anschliessender
Beruhigung. Es ist ein Ziel der Methode, den Wechsel zwischen
Anspannung und Entspannung möglichst oft zu erleben, um eine gute
und differenzierte Wahrnehmung der Körperveränderungen während
des Trainings auszubilden. Die Erholung und Selbstbesinnung erleben
und geniessen Sie nach dem Abschluss der Übung.
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Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist der feste Wille,
das Autogene Training zu lernen und konsequent zu üben. Die Angaben
über die Räumlichkeit und den zeitlichen Ablauf sind
unverbindliche Empfehlungen. Fühlen Sie sich einfach wohl und
entspannt, begrüssen Sie die aufkommende Freude und folgen Sie der
inneren Uhr!
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Körperhaltung
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| Sie führen die Übungen im Liegen oder
im Sitzen durch. Die Stellung ist für den Trainingserfolg ohne
grosse Bedeutung. Testen Sie aus, welche Haltung Ihnen am besten
entspricht!
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Liegehaltung:
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Legen Sie sich flach und bequem mit leicht gespreizten Beinen auf
den Rücken! Die Fussspitzen fallen dabei ein wenig auseinander, was
bereits eine Grundentspannung anzeigt. (Verkrampfte Menschen halten
beide Füsse starr nach oben gerichtet.) Die Arme liegen mit leicht
gebeugten Ellenbogen locker neben dem Körper, die Hände mit den
Innenflächen nach unten. Der Kopf ruht entweder direkt auf der
Unterlage oder auf einer Nackenrolle, die den Hals stützt.
Schliessen Sie die Augen!
Die Rückenlage hat gegenüber den anderen Körperhaltungen
entscheidende Vorteile. Der Übende, der sich hinlegt und wohlig
zurechtrückt, erfährt sofort die beruhigende Wirkung des
Loslassens und ist anschliessend leicht in der Lage, seinen ganzen
Körper zu spüren. Er sieht sich mit seinem «inneren» Auge auf
der Unterlage fixiert und geteilt in zwei gleiche Hälften, die sich
äusserlich spiegelbildlich entsprechen. Diese Lage erleichtert das
Übergreifen der Entspannungswirkung von einer Körperseite auf die
andere.
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Sessel- oder Sitzhaltung:
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Das angelehnte Sitzen ist die gebräuchlichste Übungshaltung. Sie
ermöglicht von allen Sitzhaltungen die grösste Entspannung und es
findet sich fast überall einen Stuhl mit Rücken- und Armlehne. Sie
rutschen mit dem Gesäss auf der Sitzfläche nach hinten, richten
den Oberkörper auf und lehnen den Rücken bequem an! Die Fussohlen
liegen ganz und mit gutem Bodenkontakt auf. Die Unterarme ruhen
entspannt auf den seitlichen Lehnen. Es ist eine Alternative, die
Arme schräg auf die Oberschenkel zu legen, wobei die schlaff
herunterhängenden Hände sich nicht berühren. Lassen Sie den Kopf
leicht nach vorne sinken und schliessen Sie die Augen!
Das gelöste Sitzen kennen wir auch als Droschkenkutscherhaltung.
Der einfacher Hocker ohne Lehne reicht aus. Diese Stellung können
Sie selbstverständlich auf jeder anderen Sitzgelegenheit auch
einnehmen. Sie rutschen auf den vorderen Teil der Sitzfläche und
stützen die Beine aus den leicht geöffneten Oberschenkel heraus
ganz auf die Fussohlen, Kniewinkel ca. 90 Grad! Die richtige Lage
des Rumpfes finden Sie, indem Sie die Arme seitlich am Körper
baumeln lassen, während des kräftigen Einatmens Oberkörper und
Nacken aufrichten und mit dem Ausatmen in sich zusammenfallen. Jetzt
befinden sich Rumpf und Kopf im labilen Gleichgewicht. Legen Sie die
Arme locker auf die Oberschenkel und achten Sie darauf, dass sich
die Hände nicht berühren! Augen schliessen!
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Keine
Bange, Sie lesen richtig. Der Abschluss des Trainings, das
Zurücknehmen, ist das erste Element, das gelernt wird. Die
Rücknahme muss exakt und kräftig durchgeführt werden, unabhängig
von der Tiefe der Entspannung. Der vorgegebene Übungsabschluss
stellt das aktive Bewusstsein wieder her, er überbrückt aus der
Selbstversenkung in den Spannungszustand, der stark und ausgeglichen
erlebt wird. Die Rücknahme verhindert eine mögliche Benommenheit
oder Müdigkeit nach dem Training. Ob Sie liegen oder sitzen,
beenden Sie die Übung in drei Schritten, pedantisch und immer auf
die gleiche Weise:
Arme fest!
Mit diesem gedachten Befehl ballen Sie die Fäuste, beugen und
strecken die Arme mehrmals mit energischem, militärischem Ruck.
Tief atmen!
Während des Anwinkelns der Arme atmen Sie tief und hörbar ein und
aus.
Augen auf!
Mit diesem letzten Befehl der Rücknahme öffnen Sie die Augen und
stellen den Kontakt zur Aussenwelt wieder her.
Dieser kurze und energische Abbruch der Übung ist wichtig, der
Einsteiger muss vor dem ersten Training mit diesem einfachen
Vorgehen vertraut sein. Die zuverlässige Wirkung des Autogenen
Trainings verstärkt sich mit der exakten Zurücknahme.
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Autogenes
Training: Grundstufe
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Im Rahmen dieses Artikels wird das Autogene
Training in einer vereinfachten Form als praktische
Entspannungsmethode vorgestellt, überall nützlich, jederzeit
hilfreich, kostenlos. Sie ist leicht lernbar, jedem gesunden
Menschen zuträglich und sie zeigt schnell die ersten anregenden
Wirkungen. Die hier vorgestellten Übungen der Schwere und Wärme,
verwoben mit der Ruheeinstellung, führen den motivierten
Trainierenden zum Ziel der autogenen Umschaltung.
Das von Prof. Schultz entwickelte Vollprogramm enthält eine Reihe
von Übungen, die fast alle Organe und Organsysteme des Körpers
ansprechen. Dazu gehören insbesondere der Unterbauch mit seinen
sehr empfindlich reagierenden Teilen wie Magen, Darm, Leber, Blase,
etc. sowie das Herz und der Kopf. Das formelhafte Ansprechen dieser
Organe ist nicht ohne Risiko (siehe Kasten). Auftretende
Unsicherheiten und vermeintliche Störungen trüben oft den
Trainingsablauf und machen den charakteristischen Entspannungseffekt
zunichte. Der Übende trifft dort auf Nervosität und Angst,
mitunter auf Herzrasen und Kopfschmerzen, wo er innere Ruhe und
Gelöstheit erwartet. Das gezielte Organtraining ist nur unter
fachkundiger Anleitung zu verantworten.
Wir lernen in der vereinfachten Form kennen:
- Ruhe-Tönung
- Schwere-Übung
- Wärme-Übung
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| Wir beschreiben kurz die einzelnen Übungen und ihr
Zusammenwirken mit dem Ziel, die häufigsten Erfahrungen
weiterzugeben und die ausgelösten körperlichen Wirkungen
verständlich zu machen. Wenige Wiederholungen von Anmerkungen aus
dem Einführungsteil, in den Kontext der einzelnen Übung
eingebettet, sind sinnvoll und unvermeidlich.
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Ruhe und Schwere
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| Wir
können die Ruhe nicht «herstellen», wir erwarten sie, lassen sie
geschehen. Deshalb vermeiden wir absichtlich für diesen ersten
Trainingsteil den Begriff «Übung». Das bewegungslose und
entspannte Liegen oder Sitzen, das Ausblenden der äusseren Reize
und das Ausmalen harmonischer Bilder öffnen den Übenden rasch für
die Ruhe-Formel und ihre verblüffende Wirkung. Dieses Erlebnis ist
der Einstieg für die unmittelbar anschliessende Schwere-Übung. Die
Ruhe-Tönung ist die Vorbereitung für jede konzentrative
Einstellung. Stellen Sie sich die Ruhe vor! Schaffen Sie das
spontan? Viele Menschen fühlen sich zu einer Leistung genötigt und
herausgefordert, sie schicken ihre Gedanken auf die Jagd nach
Bildern der Harmonie, ihre Einbildungskraft fahndet nach endlosen
Sandstränden oder abgelegenen Bergtälern. Doch das aufdringliche
Wollen pfuscht in die gutgemeinte Absicht. Die Vorstellung der Ruhe,
die krampfhaft herbeigewünscht wird, stellt sich nicht ein. Ein
inneres Flattern packt den Übenden, die stimmige Meereslandschaft
verblasst hinter den Gedanken an die brachliegende Wäsche oder den
Zahnarzttermin. Das ist das Prinzip der paradoxen Intention: die
bewusste Willensanstrengung reizt und verstärkt die
entgegengesetzten Impulse. Der herbeigezwungene Schlaf lässt
hellwach werden.
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Das Lösen, das Entspannen kommt von selbst. Der Trainierende wartet
geduldig und geniesst das Jetzt, nimmt die aufkommenden,
abschweifenden Gedanken an, betrachtet sie teilnahmslos und lässt
sie wieder fliehen. Alles ohne Zeitdruck und mit Langmut. Das tönt
spielerisch und einfach, verlangt aber vom stressgejagten Menschen,
dass er umdenkt und das Ruhigsein nicht feststellt, sondern passiv
abwartet. Schultz spricht von der «inneren Sammlung», die durch
den Signalreiz der Ruhe-Formel im Laufe der Zeit immer schneller zu
erreichen ist. Das Ruhe-Erlebnis stellt sich schon nach kurzer Zeit
regelmässigen Übens spontan ein, durch die Verknüpfung von Reiz
und Reaktion. Der Einsteiger spürt während den ersten Lektionen
die eintretende Ruhe vielleicht nur schwach oder überhaupt nicht.
Zweifeln Sie deshalb nicht an Ihrer Übungstechnik oder gar an der
Wirksamkeit des Autogenen Trainings! Schliessen Sie die
Schwere-Übung unbeirrt an die Ruhe-Tönung an!
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Mit dieser ersten Übung sprechen wir die Bewegungsmuskeln an. Sie
sind dem abendländischen Menschen sehr vertraut und seiner
Selbstverfügung am meisten unterstellt. Wir empfinden die
fortschreitende Entspannung der Muskulatur als Schwerezustand, den
wir bereits vom abendlichen Einschlafen kennen, wenn sich die
«Glieder lösen». Die Übungsformel verknüpft die Vorstellung der
Arme und der Beine mit dem Bild der Schwere. Der Übende stellt sich
möglichst lebhaft das Gewicht seiner Gliedmassen vor, wie sie
bleiern auf der Unterlage aufliegen. Schwere wird gleichbedeutend
mit der Entspannung der Muskeln. Dieses subjektive Schweregefühl
wecken wir durch die Vorstellung, die in der Formel prägnant
verankert ist und geistig monoton abrollt. Erinnern Sie sich an den
Pendelversuch? Die Vorstellung löst nicht nur die Bewegung, sondern
alle vegetativen Funktionen aus.
Die Muskelentspannung erfolgt zu Beginn gezielt über einen der
beiden Arme. Bei Rechtshändern über den rechten, bei Linkshändern
über den linken Arm. Der Arbeitsarm bildet durch die erhöhte
Beanspruchung eine sehr sensible nervliche Steuerung und gute
Durchblutung der Muskulatur aus. Das ermöglicht über einen
gesteigerten Rückkoppelungseffekt der Empfindungen ein schnelles
Wahrnehmen der Schwere. Das Nervengeflecht ist in den Muskelgruppen
derart stark verästelt, dass das Schwere-Erlebnis allmählich den
ganzen Körper durchdringt. Bei diesem Phänomen sprechen wir von
der Generalisierung.
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In den ersten Übungen spüren viele Trainierende die Schwere nicht.
Sie berichten verunsichert von einem Kribbeln in den Fingern oder
einem leichten Ziehen in den Schultern. Weitere körperliche
Reaktionen sind der vermehrte Speichelfluss und im Darm ein gut
hörbares Bollern, das fälschlicherweise als peinlich empfunden
wird. Das Schwere-Erlebnis offenbart sich in diesen bekannten
Begleiterscheinungen, die das allmähliche Überwiegen des
parasympathischen Anteils in den Funktionsabläufen des vegetativen
Nervensystems verraten. Der Übende ist trotz des noch abwesenden
Schwere-Empfindens auf dem richtigen Weg. Geniessen Sie das gute
Gefühl, wie Sie entspannt und schwer auf der Unterlage aufliegen!
Autogenes Training machen heisst, nichts müssen, nichts wollen,
nichts tun.
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Wärme
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Das durch die Gefässe zugeführte Blut ernährt
die Muskulatur, die wir mit der Schwere-Übung angesprochen haben.
Diese enge Verflechtung nützen wir im Autogenen Training aus. Die
Schwere-Übung (Entspannung der Muskeln) und die Wärme-Übung
(Entspannung der Gefässe) unterstützen sich gegenseitig sehr
stark. Nach wenigen Tagen regelmässigen Übens fliesst das
wärmende Gefühl in den angesprochenen Arm. Die Wärme greift
schneller als die Schwere auf den anderen Arm und die Beine über.
Es ist keineswegs ungewöhnlich, das Wärme- vor dem
Schwere-Erlebnis zu empfinden.
Die Wärme-Übung ist auch eine Organübung. Das vegetative
Nervensystem regelt die Mengen und Verteilung des Blutes, abgestimmt
auf die momentanen Bedürfnisse der Körperregionen und -organe. Die
Blutgefässe weiten oder engen sich. Das Gefässystem verlangt
ständige Reize wie Temperaturwechsel oder unterschiedliche
körperliche Aktivitäten, um elastisch zu bleiben und seine
lebensnotwendige Aufgabe zu erfüllen. Die Formel der Wärme-Übung
schafft diesen Stimulus und bewirkt ein anregendes
Kreislauftraining. Wir helfen damit dem Vegetativum, das
Gleichgewicht zugunsten des Parasympathikus wieder zu finden und
wirken gleichzeitig einer passiven Lebensweise entgegen. Offene,
entspannte Blutgefässe sichern die gute Durchblutung der
Gliedmassen und führen die Wärme in die Körperperipherie weiter.
Die Übenden berichten hinterher von einem Prickeln in den Fingern
und Zehen. Die Wärme-Übung zeigt ihre wohltuende Wirkung.
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| Wenn Sie die Wärme auch nach längerer Zeit nicht empfinden oder zu
den Menschen gehören, die das ganze Jahr über gegen kalte Hände
und Füsse kämpfen, nehmen Sie vor dem Training ein warmes Arm-
oder Fussbad. Das mehrfach wiederholte Wechselbad ist eine weitere
Möglichkeit, die Durchblutung der Extremitäten anzuregen. Nehmen
Sie die Bäder ganz bewusst wahr, mit ausgiebiger Geduld! Sie
erhalten damit ein nachhaltig wirkendes Bild, das Sie als
eindrückliche Vorstellung in die Wärme-Übung einbauen können.
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